Standpunkt der «IG marina für alle» vom August 2019

Nach 10 Monaten intensiver Auseinandersetzung mit Jollensegeln im Tiefenbrunnen und dem Projekt Marina Tiefenbrunnen sowie 3 Sitzungen mit der Projektleitung und anderen Nutzern ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen und unsere Anliegen nochmals klar darzulegen.

Zum besseren Verständnis für nicht eingeweihte Leser:
Eine Segeljolle ist ein Segelboot mit einem absenkbaren Schwert anstelle eines festen Kiels wie bei einer Segelyacht. Im Gegensatz zur Yacht, die durch das Gewicht des Kiels stabilisiert wir, erfolgt das Aufrichten der Jolle mit dem Körpergewicht der Seglerin / des Seglers als Gegenkraft zum Winddruck im Segel. Eine Jolle kann kentern, ist aber unsinkbar.
Am Trockenstandplatz auf einem Slipwagen stationiert, wird sie zum Segeln über eine Rampe ins Wasser gelassen, der Antrieb erfolgt CO2-neutral nur über Windkraft. Viele Bootsklassen erlauben unterschiedlichste Anwendungen vom Kindersegeln über Juniorentraining bis zum Regattasport und vom Freizeitsegler über den Bootsliebhaber bis zum Familienprojekt. Die Jolle ist das günstige Einsteigerboot für Segler. Alle Sieger von Weltmeisterschaften, America’s Cup oder Ocean Race haben Ihre Karriere auf einer Jolle gestartet. Auf dem Stadtgebiet gibt es 2 Trockenstandplätze je in den Häfen Tiefenbrunnen und Wollishofen.

Unsere Ziele

  1. Die Stadt Zürich bietet heute im Tiefenbrunnen auf dem projektierten Areal des neuen Wassersportzentrums die Infrastruktur für 150 Mietplätze für Jollen an. Diese Trockenstandplätze sollen dort auch in Zukunft grösstenteils erhalten bleiben.
    Die Stadt Zürich verwaltet die Mietplätze und legt die Standplatzmieten fest.
  2. Die Infrastruktur zur Einwasserung der Jollen ermöglicht einen direkten Zugang zum offenen See. Sie unterstützt auch für unerfahrene Jollenseglerinnen und Jollensegler ein sicheres Manövrieren sowie Ab- und Anlegen unter Wind. Zu Spitzenzeiten können mehrere Jollen gleichzeitig an- und ablegen.
  3. Das Angebot von Trockenstandplätzen für Segeljollen bietet breiten Bevölkerungsschichten und verschiedenen Altersgruppen einen niederschwelligen und erschwinglichen Zugang zum Segelsport.

Anforderungen für das Jollensegeln im neuen Wassersportzentrum Tiefenbrunnen

Die Beschreibung der Abläufe beim Jollensegeln sind in einem separaten Dokument angefügt.

  1. Segeljollen brauchen für das Ablegen und Anlegen am Steg sowie für das Erreichen des offenen Sees geeignete Windverhältnisse. Am heutigen Trockenstandplatz sind die vorherrschenden Winde über das ganze Jahr ideal.
  2. Tiefenbrunnen ist der einzige Trockenstandplatz für Segeljollen auf dem rechtsufrigen Stadtgebiet. Die Trockenstandplätze für Mieter sollen auf dem projektierten Areal des Wassersportzentrums grösstenteils erhalten bleiben. Sie sollen nicht zur Kostensenkung für das ganze Hafenprojekt oder auf Grund zu kleiner Planungsperimeter reduziert werden.
  3. Segeljollen benötigen eine Einwasserungsmöglichkeit mit direkter Ausfahrt auf den offenen See oder einen sehr kurzen Weg aus dem Hafen. Die Verkehrswege von Jollen und Yachten sollen entflechtet werden. Die Ablege- und Anlegesituation soll sicher sein auch für Segelanfänger, Kursteilnehmer und weniger routinierte Segler.
  4. Die Einwasserungsrampe mit Steg unterstützt Ansegelwege bei allen Windrichtungen. Der Steg mit Festmachmöglichkeit wird analog einer Takelboje für das Auf- und Abriggen des Bootes und zusätzlich für das Holen und Bringen des Slipwagens benötigt. Der Steg ist für gleichzeitig mehrere ablegende und anlegende Jollen ausgerichtet und für Nutzungsspitzen über das Wochenende und an Abenden mit guten Windverhältnissen.
  5. Die Mieten für Trockenplätze sollen auch im Tiefenbrunnen gemäss landesüblichen Konditionen von öffentlichen Trockenplätzen gestaltet werden und berücksichtigen die Einfachheit der benötigten Infrastruktur.
    Die Standplatzgrösse soll sich neuen Entwicklungen anpassen können. Katamarane sind bis zu 2.50m breit.
  6. Die Mietplätze werden weiterhin von der Stadt Zürich (Hafenverwaltung) verwaltet und nicht von der Trägerschaft des Hafens oder vom ZSC.
  7. Der Bodenbelag des Trockenstandplatzes ermöglicht barfuss oder mit Neoprenfüsslingen ein sicheres Bewegen und Aufriggen der Boote. Die Boote können auf den Boden hinunter festgemacht werden.
    Der Bodenbelag der Gehflächen des Wassersportzentrums (Garderobe, Treppen, Balkone, Restaurant) ist barfussgeeignet.

Lösungsansätze / Vorschläge der IG

  1. Trockenplatz-Zahl: Auf dem Areal des Wassersportzentrums wollen gemäss unseren Recherchen von den 150 Mietern 120 Mieter ihren Trockenplatz behalten. Zusammen mit den erwarteten 30 Jollenplätzen für die Segelclubs müssten auf dem Areal 150 Trockenplätze projektiert werden. Als Kompensation für die Reduktion von 30 Mietplätzen soll in den Ausführungen zum Gestaltungsplan im Artikel 24 vermerkt werden, dass in Phase 2 des Projekts die reduzierten 30 Trockenplätze für Mieter ersetzt werden. Der Abbau der Plätze in Phase 1 wird über die Fluktuation erreicht, alle jetzigen Mieter, welche den Platz auch in Zukunft nutzen wollen, erhalten wieder einen geeigneten Platz zugeteilt. Um Mieter dazu zu bewegen, den Platz zum Standort KIBAG zu wechseln, müsste das dortige Areal eingezäunt und vor den Sand- und Staubemissionen der KIBAG geschützt werden.
    Um Platz zu gewinnen, können Doppelstock-Gestelle für Laser wie sie der ASVZ benutzt eingesetzt werden, wenn diese einfach zu bedienen sind. Die zusätzlichen Kosten für diese Lagerung um Platz für das Wassersportzentrum zu erhalten werden nicht den Jollenplatzmietern belastet. Zudem sollen immer noch genügend Bodenplätze für Laser angeboten werden. Yachttechnische Infrastrukturanlagen wie Kran und Regattaboot-Standplätze können im südlichen Bereich des Hafens Tiefenbrunnen landseitig geplant werden. Entsprechende Baufelder sollen in den Gestaltungsplan aufgenommen werden. Die Tankstellenanlage könnte stegseitig bei der Hafeneinfahrt realisiert werden. Auch diese Anlage soll neu in den Gestaltungsplan aufgenommen werden. Platzierung der Jollen überprüfen: Diagonale Platzrichtung und damit schmalere Gassen von 4m (Aufriggen vorne am See). Doppelreihe versetzt anordnen. Kats am See platzieren und anfangs Reihe.
  2. Lage Ein- und Auswasserungs-Rampen: Neben der geplanten Rampe in das Hafenbecken, soll eine zweite Rampe für Jollen nördlich der Hauptmole mit Zugang direkt in den See realisiert werden. Die Realisierung erfolgt in Phase 1.
    • 1. Variante: Nördliche Rampe Richtung 280° nördlich der projektierten Mole Taucherkorridor 8m breit.
    • 2. Variante: Nördliche Rampe Richtung 280° mit Verschiebung der Molenachse um Breite des Tauchgebietes nach Süden
      Tauchrevier nach Angaben ASVZ
      Die Trockenplätze werden südlich und nördlich des Wassersportzentrums angeordnet.
  3. Ausführung Jollenrampe mit Mittelsteg: Mittelsteg von 2m Breite und 30m Länge mit 2 seitlichen Rampen von 6,5m Breite mit Neigung 7°, Länge ca. 14m. Vorne am Steg sind 2 Pfosten für das Ansegeln angebracht, entlang dem Steg sind flache Anbindemöglichkeiten alle …m angebracht, so dass die bewegenden Segel nicht blockiert werden. Die Steghöhe in Meter über Meer orientiert sich am heutigen Steg (Höhenaufnahme am bestehenden Steg). Die Stirnseite und seitlichen Stegfronten soll mit Brettern auf einer Höhe von …m abgeschlossen sein und im Abstand von …m senkrechte Gummiprofile aufweisen. Rampenbelag mit Metall-Gitterrosten. In Genf wurden Platten mit einer Lochgrösse von 11 x 33 mm verwendet, welche gut barfuss begehbar sind.
  4. Ausführung Trockenstandplatz:
    • Bodenbelag als Betonplatten ausführen mit Wasserablaufgittern. Vorteil: Gehsicherheit, Montage Bodenringe flexibel, geringere Erhitzung im Sommer.
    • Baumpflanzung am Molenanfang für Schatten.
  5. Ausführung Wassersportzentrum:
    • Balkonbrüstung vor Garderoben mit normaler Höhe, Segler wollen den See sehen.
    • Bodenbelag der Gehflächen des Wassersportzentrums (Garderobe, Treppen, Balkone, Restaurant) mit anderem Material ausführen, GFK ist scharfkantig beim barfuss Gehen.
  6. Veloparkplätze:
    • Anzahl reduzieren auf ca. 50 Plätze.
    • An der Strasse bei WAPO platzieren.